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A Fragment of Eden – Fünf Fragen an Collectif Grapain

A Fragment of Eden – Fünf Fragen an Collectif Grapain


Die Geschwister Maeva und Arnaud Grapain bilden zusammen das Collectif Grapain. Das französische Künstlerduo hat im Rahmen von „A Fragment of Eden“ in Hannover die Arbeit „The Cherenkov Effect“ entwickelt. Im Interview erzählen die beiden Künstler:innen unter anderem, woher dieser Titel stammt und welche Rolle der Matsutake-Pilz in ihrem Werk einnimmt.

Maeva und Arnaud, ihr seid als „Collectif Grapain“ bekannt. Arbeitet ihr eigentlich immer als Kollektiv zusammen?


Wir arbeiten bereits seit unserem Studium zusammen.


Wir haben beide an verschiedenen Kunstschulen in Frankreich studiert, Maeva an der École nationale supérieure des Beaux-Arts de Lyon (FR) und Arnaud an der École nationale supérieure d’art de Nice (FR). In der Mitte unserer Studienzeit kam Maeva ebenfalls an die Kunstschule Villa Arson in Nizza. Von 2016 bis 2017 setzten wir unser Studium dann in China mit einem Master fort. Maeva beendete ihr Studium als Meisterschülerin an der HBK in Braunschweig.


Am Ende unserer Studienzeit haben wir unsere Arbeit mit vier Händen und zwei Gehirnen fortgesetzt. Wir haben also eigentlich schon immer zusammengearbeitet.


Was ist eigentlich der „Cherenkov-Effekt“? Und warum habt ihr euer Projekt so benannt?


Der Cherenkov-Effekt ist eine Schockwelle, die durch die Kollision von Teilchen mit einer Geschwindigkeit schneller als das Licht entsteht. Dabei entsteht ein blauer Lichtblitz. Dieses Phänomen tritt in Brennelementbecken von Kernkraftwerken während der Kernfusion auf. 


Wir haben diesen Titel für unser Projekt gewählt, weil wir uns in unserer Arbeit für „Neo-Archäologie“ interessieren, und aufzuzeigen möchten, was von unserer Zivilisation übrigbleiben wird. Parallel zu der Vergangenheit, die uns viele bedeutende Monumente, wie beispielsweise Pyramiden oder Tempel hinterlassen hat.


In unserer Arbeit interessieren wir uns auch für den Zusammenhang zwischen dem Motiv der Ruine, der Baustelle und wie sich Lebensformen durch Anpassung in dieser vermeintlich kargen Umgebung entwickeln können. Deshalb findet man in unserer Arbeit oft lebende Organismen und Spuren der industriellen Vergangenheit.


Und was hat es mit den Matsutake-Pilzen in eurer Arbeit auf sich?


Wir haben uns aus mehreren Gründen dafür entschieden, einen Bezug zum Matsutake-Pilz herzustellen. Zunächst einmal bezieht er sich auf das Buch „Der Pilz am Ende der Welt“ der Autorin Anna Lowenhaupt Tsing. Darin beschreibt sie, wie dieser Pilz als erste Lebensform auf dem verseuchten Boden der japanischen Stadt Hiroshima „wiedergeboren“ wurde. Und wie er es ermöglicht hat, auf den Trümmern des Kapitalismus eine Untergrundwirtschaft zu schaffen. In unserer Installation findet man daher Pilzwürfel, die uns aber auch wegen ihrer Form interessieren, die sich auch auf das Material einer Mülltüte beziehen kann.


A Fragment of Eden wird ja durch eine gleichnamige App begleitet. Wie nutzt ihr die App und welche Bedeutung hat sie für eure Arbeit?


Die App ist für uns mehr als ein einfaches spielerisches Werkzeug oder ein Vermittlungstool für die Öffentlichkeit. Wir haben sie als eine Erweiterung für unserer Skulptur genutzt. Sie ermöglichte es uns, dem Werk einen eigenen Charakter zu geben und Emotionen zu vermitteln. Es kann außerdem auf scherzhafte Weise für die Instandhaltung des Werks genutzt werden, insbesondere durch die Aufforderung an das Publikum, die Pilze, die in dieser Skulptur leben, mit Wasser zur versorgen. So werden Betrachter:innen zu Akteur:innen für das Überleben der Skulptur.


Habt ihr in eurer künstlerischen Praxis schon zuvor mit digitalen Werkzeugen gearbeitet?


Vor diesem Projekt haben wir noch nie mit digitalen Werkzeugen gearbeitet. Wir entdecken gerade die vielfältigen Möglichkeiten von digitalen Werkzeugen im Rahmen von „A Fragment of Eden“, die es uns erlauben, neue Felder unserer Kunst zu öffnen. Zurzeit arbeiten wir an einem Film, der sich mit digitalen Werkzeugen und der Hybridisierung von Ruinen, Baustellen, lebenden Organismen (Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze, etc.), Atommüll und archäologischer Architektur befassen wird.


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